Wie öffnet man eine Taschenuhr? Bei den meisten Modellen öffnen Sie den Gehäuseboden mit einem Aufschnappmesser an einer kleinen Kerbe, bei anderen schrauben Sie ihn ab, und beim Jäger springt der vordere Deckel per Druck auf die Krone auf. Welche Methode passt, erkennen Sie in unter einer Minute am Gehäuserand. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen alle Gehäusearten, die richtigen Schritte, typische Fehler und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Wie öffnet man eine Taschenuhr?
Zuerst müssen Sie klären, was Sie öffnen möchten: den Vorderdeckel, um an das Zifferblatt zu kommen, oder den Gehäuseboden, um an das Uhrwerk zu gelangen. Beides funktioniert unterschiedlich, und genau hier entstehen die meisten Missverständnisse.
Beim Vorderdeckel einer Jagduhr (Savonnette) drücken Sie auf die Krone am Bügel. Der Deckel springt durch eine kleine Feder auf. Eine Taschenuhr mit offenem Zifferblatt (Open Face) hat dagegen nur ein Glas, das Sie nicht öffnen müssen.
Den Gehäuseboden öffnen Sie meist auf eine von drei Arten. Erstens: Aufschnappboden. Er sitzt mit leichtem Druck im Gehäuse und lässt sich an einer winzigen Kerbe mit einem stumpfen Aufschnappmesser lösen. Zweitens: Schraubboden. Er wird gegen den Uhrzeigersinn gedreht, häufig mit einem Gehäuseöffner. Drittens: Scharnierboden. Er klappt wie ein Deckel auf, sobald Sie ihn an der Kerbe anheben.
Wichtig ist, nie mit Gewalt zu arbeiten. Ein Gehäuse, das sich nicht lösen lässt, hat meist eine andere Bauart als vermutet. Weitere Hintergründe zur Geschichte und Bauweise finden Sie im Artikel zur Taschenuhr bei Wikipedia.
Welche Gehäuseart hat meine Taschenuhr?
Bevor Sie etwas öffnen, lohnt ein genauer Blick auf das Gehäuse. Drehen Sie die Uhr um und betrachten Sie den Rand des Bodens im hellen Licht, am besten mit einer Lupe.
Sehen Sie einen glatten, durchgehenden Rand mit einer winzigen Einkerbung, handelt es sich meist um einen Aufschnappboden. Erkennen Sie feine Gewinderillen oder kleine Einschnitte rundum, ist der Boden vermutlich geschraubt. Eine kleine Nase oder ein Scharnier auf einer Seite deutet auf einen Klappboden hin.
Bei Jagduhren kommt der vordere Sprungdeckel hinzu, oft auch ein zweiter Deckel hinten, der das Werk schützt. Moderne Quarzmodelle mit Kette sind meist anders aufgebaut: Hier sitzt der Boden häufig geschraubt oder aufgepresst, und die Batterie ist das eigentliche Ziel.
Auch das Alter spielt eine Rolle. Bei sehr alten Uhren mit Schlüsselaufzug wird oft das ganze Werk samt Zifferblatt nach vorn aus dem Gehäuse genommen, nachdem ein Lünettenring gelöst wurde. Das ist ein Fall für Fachleute, denn hier sind Zeiger, Glas und Werk besonders empfindlich.
Eine Taschenuhr öffnen: 6 Schritte und 5 typische Fehler
So gehen Sie bei einem Aufschnappboden sicher vor:
- Legen Sie ein weiches Tuch auf eine ebene, helle Arbeitsfläche.
- Legen Sie die Uhr mit dem Zifferblatt nach unten auf das Tuch.
- Suchen Sie die kleine Kerbe am Rand des Gehäusebodens.
- Setzen Sie ein stumpfes Aufschnappmesser flach an der Kerbe an.
- Hebeln Sie mit sanftem, gleichmäßigem Druck, bis der Boden nachgibt.
- Heben Sie den Boden ab und legen Sie ihn sofort staubgeschützt zur Seite.
Diese Fehler passieren Einsteigern besonders oft:
- Ein spitzes Messer oder Schraubendreher, der abrutscht und das Gehäuse zerkratzt.
- Zu viel Kraft, durch die sich der Boden verzieht oder das Werk Schaden nimmt.
- Das Drehen eines Aufschnappbodens, der gar kein Gewinde hat.
- Das Öffnen auf einer unruhigen Fläche, sodass Teile oder Staub ins Werk fallen.
- Das Berühren von Räderwerk, Feder oder Unruh mit den Fingern.
Bei einem Schraubboden setzen Sie statt des Messers einen passenden Gehäuseöffner ein und drehen gegen den Uhrzeigersinn. Rutscht das Werkzeug ab, brechen Sie ab. Ein Schraubboden, der festsitzt, ist oft verschmutzt oder verharzt.
Wann sollte ich eine Taschenuhr nicht selbst öffnen?
Es gibt Situationen, in denen Sie die Uhr besser geschlossen lassen. Dazu zählen Erbstücke, bei denen Sie den Wert nicht kennen, sowie Uhren mit Gravuren, Emaille oder Punzen. Gerade Edelmetallgehäuse reagieren empfindlich auf Kratzer, und Punzen im Gehäuseboden sind Hinweise, die ein Experte richtig einordnen kann.
Auch wenn die Uhr stehen geblieben ist, sollten Sie sie nicht einfach aufziehen und öffnen, um nachzusehen. Ein Defekt an der Zugfeder oder eingetrocknetes Öl lässt sich ohne Erfahrung kaum erkennen. Ein Uhrmacher prüft das Werk sicher und reinigt es fachgerecht.
Für eine Einschätzung von Material, Alter oder Wert wenden Sie sich an einen Uhrmacher oder Gutachter. Aussagen über Gold oder Silber allein anhand der Optik sind unsicher. Wer nur die Batterie einer Quarz-Taschenuhr wechseln möchte, kann das häufig ebenfalls beim Fachmann in wenigen Minuten erledigen lassen.
Taschenuhren bei Univers Gousset
Wer eine Taschenuhr nicht nur öffnen, sondern auch tragen und genießen möchte, findet bei Univers Gousset eine übersichtliche Auswahl für Herren und Damen. Die Modelle unterscheiden sich in Bauart und Werk: mechanisch mit Handaufzug, automatisch oder Quarz, mit offenem Zifferblatt oder mit Sprungdeckel.
Besonders anschaulich lernen Sie die Bauweise an einem Modell mit Deckel kennen. Die mechanische Taschenuhr mit Jagdgehäuse zeigt, wie der Sprungdeckel funktioniert und wie das Zifferblatt darunter geschützt wird.
Sie suchen etwas anderes, etwa eine Quarzuhr mit Kette oder ein Skelettmodell mit sichtbarem Werk? Dann stöbern Sie in der gesamten Kollektion der Taschenuhren und vergleichen Sie Stil, Werk und Gehäuseform in Ruhe.
Häufig gestellte Fragen
Wie öffnet man eine Taschenuhr ohne Werkzeug?
Den Sprungdeckel einer Jagduhr öffnen Sie ohne Werkzeug mit einem Druck auf die Krone. Gehäuseböden sitzen dagegen meist so fest, dass ein passendes Werkzeug nötig ist. Nutzen Sie keine Münzen oder Messer, die abrutschen und das Gehäuse beschädigen können.
Wo ist bei einer Taschenuhr die Öffnung am Gehäuseboden?
Suchen Sie am Rand des Bodens eine winzige Kerbe oder Nase. Dort setzen Sie das Aufschnappmesser an. Fehlt sie, ist der Boden meist geschraubt. Dann erkennen Sie oft feine Rillen oder Einschnitte rundum am Gehäuserand.
Kann ich eine Taschenuhr beim Öffnen beschädigen?
Ja, vor allem durch ungeeignetes Werkzeug, zu viel Kraft oder Staub im Werk. Mit Geduld, einem stumpfen Messer und einer sauberen Unterlage senken Sie das Risiko deutlich. Im Zweifel überlassen Sie das Öffnen lieber einem Uhrmacher.
Muss ich eine Taschenuhr zum Aufziehen öffnen?
Nein. Mechanische Taschenuhren ziehen Sie über die Krone auf, ganz ohne den Boden zu öffnen. Öffnen müssen Sie die Uhr nur für Wartung, Reinigung oder einen Batteriewechsel bei Quarzmodellen.
Fazit
Wie öffnet man eine Taschenuhr? Schauen Sie zuerst auf die Gehäuseart: Der Jägerdeckel springt per Druck auf die Krone auf, der Boden wird aufgeschnappt, geschraubt oder aufgeklappt. Arbeiten Sie ruhig, mit passendem Werkzeug und ohne Gewalt. Bei wertvollen oder empfindlichen Stücken hilft ein Uhrmacher. Passende Modelle entdecken Sie in unserer Taschenuhren-Kollektion.








